Mehr Wertschätzung für nachhaltig(er)e Verpackungen bitte!

Bio-Plastik stammt nicht vom fossilen Brennstoff Erdöl, sondern aus nachwachsenden Rohstoffen. Klingt gut, ist auch ein Schritt in die richtige Richtung. Aber wie so oft beim Thema Nachhaltigkeit, lohnt es sich natürlich, ganz genau hinzuschauen. Ist Bio-Plastik okay und ein echtes Zukunftsprodukt? Oder eine Zwischenlösung? Gibt es überhaupt das eine, alle überzeugende Bio-Plastik? Und warum eigentlich lehnen Entsorgungsfirmen wie die Abfallwirtschaft München kompostierbares Bio-Plastik im Bio-Mülleimer ab?

Wohin denn dann mit kompostierbaren Plastikbeuteln?

Als kompostierbar darf Bio-Plastik bezeichnet werden, wenn es sich nach 12 Wochen zumindest zu 90 Prozent auflösen kann. In München nimmt man sich aber nicht die Zeit, auf das Verrotten von kompostierbarem Bio-Plastik zu warten. Der Weg vom Bio-Mülleimer über den Komposthaufen hin zum nächsten Leben als Blumenerde muss schnell genommen werden. Kompostierbare Plastikbeutel in der braunen Tonne sind explizit unerwünscht – seit Oktober 2020 wird der Bio-Müll sogar von „Qualitätskontrolleuren“ überwacht. Deren Botschaft an die mülltrennende Bevölkerung: Alles, was nur wie Plastik aussieht, ist im Bio-Mülleimer verboten. Das heißt: Ein Unterschied zwischen Erdöl-Plastik und Plastik aus nachwachsenden Rohstoffen wird nicht mehr gemacht.

Jetzt denkt sich der ökologisch sensible Mensch „okay, wenn meine zu langsam verrottende Bio-Plastikverpackung in dieser Tonne nicht erwünscht ist, bringe ich sie eben in den Plastikcontainer“. Das aber ist genauso falsch. Sofern sich nämlich – als Alternative zum Export in andere Länder – ein lokales Unternehmen der lobenswerten Aufgabe annimmt, herkömmliche Plastikabfälle in Rezyklat zu verwandeln, muss es zur Kenntnis nehmen, dass die Qualität des Granulats durch den rasch fortschreitenden Verrottungsprozess von Bio-Plastik beeinträchtigt wird. Mit anderen Worten: In diesem Fall zersetzt sich Bio-Plastik nicht zu langsam, sondern zu schnell. „Sowieso ein falscher Ansatz“, denkt sich die kluge Ökologin dann. „Der biologische Kreislauf muss doch vom technischen Kreislauf getrennt sein. Hat denn noch nie jemand etwas von Cradle-2-Cradle gehört?“

Verbraucher werden im Stich gelassen

Wie nun lassen sich nachhaltig(er)e Verpackungen generell entsorgen? Bei Papiertüten und weiteren Produkten aus wiederverwendbaren Pflanzenfasern wie Zuckerrohr ist die Antwort schnell gefunden: ab zum Recycling in den Papiercontainer. Bei Mischprodukten mit Bio-Plastikanteilen wird es komplizierter – lernwillige Endverbraucher müssen wohl beim Herstellern selbst nachfragen, das Thema wird öffentlich so gut wie gar nicht kommuniziert. Für kompostierbares Bio-Plastik schließlich müsste der verantwortungsvolle Verbraucher, sofern er in München lebt, einen privaten Komposthaufen anlegen, um einen biologische Abbauprozess zuzulassen.

Engagement von Unternehmen verpufft

Verpackung ist ein Thema, das immer mehr Aufmerksamkeit erfährt. Zahlreiche Unternehmen zerbrechen sich den Kopf darüber, wie sie die Verpackung ihrer Produkte nachhaltiger gestalten können. Sie geben viel Geld dafür aus. Sie verändern ihre Prozesse, weil es außer um Nachhaltigkeit immer auch um Frische und Haltbarkeit und Ästhetik geht. Und was ist der Lohn dafür? Verbraucher, die missgelaunt zurückbleiben – und die ökologische Verpackung über den Restmüll in die Müllverbrennung geben.

Darüber müssen wir reden.
So jedenfalls sollte es nicht weitergehen …

PS: Dieser Beitrag ist nicht als Werbung für Bio-Plastik zu verstehen. Es gilt auch bei diesem Material von Fall zu Fall zu fragen, ob, und wenn ja, welche Chemikalien zugesetzt wurden, wie viel Energie für die Herstellung verbraucht wurde, ob wertvolle Anbauflächen nicht eher für Nahrungsmittel verwendet werden sollten, …

PPS: In meinem nächsten Blog-Artikel werde ich einige Unternehmen vorstellen, die Neuerungen bei ihrer Produktverpackung eingeführt haben.

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