Welchem Unternehmen kann ich trauen?

„So schlecht denken die Deutschen über Unternehmen“, titelte am 30. Dezember 2019 die Zeitschrift „Welt“. Im entsprechenden Artikel heißt es: „Fast 40 Prozent der Bevölkerung verbinden die Konzerne und Betriebe hierzulande in erster Linie mit negativen Eigenschaften.“ 40 Prozent: Diese Zahl stammt aus einer im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen erstellten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach zum Thema „Vertrauen ins deutsche Unternehmertum“. 

Mir ist diese Nachricht ins Auge gefallen, weil mich selbst die Frage umtreibt, welche Unternehmen konsequent und nachvollziehbar zur Bewältigung des Klimawandels/ der Klimakrise wirksam beitragen und damit eine Vorbildrolle übernehmen. Eine Frage übrigens, die noch viel zu selten gestellt wird, obwohl sie so entscheidend für unsere Zukunft ist: Ohne das Engagement der Wirtschaft wird sich die Klimakrise nicht lösen lassen. Wir brauchen also immer mehr Unternehmen, die ihrer Verantwortung gerecht werden und auf die wir uns verlassen können.

Zwar hat auch der Endverbraucher mit seinem Konsumverhalten einen Einfluss darauf, wie stark die Herausforderungen durch Klimaveränderungen werden. Aber es sind doch eher die Unternehmen, die im großen Stil Rohstoffe auswählen und verarbeiten, Energieentscheidungen treffen, Wälder abholzen, Flächen verbrauchen, Transportwege beanspruchen und neue Produkte oder Dienstleistungen anbieten. Auf ihr Verhalten kommt es maßgeblich an, wann immer Ressourcen geschont, Emissionen vermieden und Verschwendung gebremst werden muss. Wenn allerdings 40 Prozent der Deutschen nicht hinter „ihren“ Unternehmen stehen, verweist das auf ein Problem.

Der Beitrag in der „Welt“ liefert weitere Zahlen: Lediglich 25 Prozent der 1255 Befragten halten Unternehmen für verantwortungsbewusst und langfristig denkend. Immerhin 57 Prozent glauben, dass die Firmen um jeden Preis versuchen, ihre Gewinne zu steigern. Negative Schlagzeilen setzen sich in den Köpfen der Menschen fest und werden pauschal auf die gesamte Wirtschaft übertragen. Im Artikel heißt es dazu: „Betrug, Profitstreben, Managergehälter, Klimasünder – da ist für jeden etwas dabei.“ Der Rat der Demoskopen: Es muss „eine glaubhafte Auseinandersetzung mit den großen Themen der Zeit geben, aktuell zum Beispiel zur Nachhaltigkeit“

Man könnte dies auch so formulieren: Unternehmen, strengt euch mehr an – und kümmert euch redlich (auch) um das Klimathema. Die Menschen werden euch dann interessiert zuhören und langsam jenes Vertrauen aufbauen, das ihr wahrscheinlich heute sehr vermisst.

Auf der Suche nach Auswegen aus der Klimakrise

Über den Jahreswechsel habe ich mich mit drei aktuellen Büchern beschäftigt, die Strategien für eine klimaneutrale Zukunft thematisieren. Ich fasse hier den jeweiligen Inhalt kurz zusammen und verknüpfe ihn mit der Ausgangsfrage: Welchen Unternehmen kann ich trauen?

„Wir sind das Klima“


Jonathan Safran Foer schreibt pointiert und faktenreich, vor allem wirbt er eindringlich und sehr persönlich um unser Engagement als Normalverbraucher. Nur einmal am Tag tierische Produkte zu essen ist sein Hebel, wirksam zur Lösung der Klimakrise beizutragen. Eine Auswahl der Argumente: „Viehhaltung ist der Hauptgrund für Entwaldung“. „Nutztierhaltung ist verantwortlich für 91 Prozent der Rodungen im Amazonas“. „Nutzvieh ist die größte Methanquelle überhaupt“. „Nutzvieh ist der größte Verursacher des Stickstoffausstoßes“. Und: „Wir wissen genau, dass wir den Klimawandel nicht in den Griff bekommen, solange wir die Nutztierhaltung nicht in den Griff bekommen.“ 

Die empfohlene, zunächst individuelle Herangehensweise ist ein wichtiger Baustein im Kampf gegen den Klimawandel. In einem bunten, demokratischen Land müssen Maßnahmen so ausgerichtet sein, dass jede und jeder das Angebot findet, mit dem er oder sie sich identifiziert. Unternehmen, die ihren Mitarbeitern, Geschäftspartnern und Kunden außer klassischen Gerichten auch vegane oder vegetarische Speisen anbieten, tragen zu einer zeitgemäßen, nachhaltigen Ernährung bei. Sie leisten damit auch einen wichtigen Beitrag, um Bindungen breit zu verstärken.

Vom Ende der Klimakrise“


Luisa Neubauer und Alexander Repenning gehen das Thema Klimawandel politisch an. Als Aktive in der Fridays-for-Future-Bewegung möchten sie Leserinnen und Leser für den gemeinsamen Protest gewinnen, damit die im Pariser Klimaabkommen vereinbarten Ziele doch noch einzuhalten sind. Eins ihrer Themen ist der Wandel von einer ressourcen- und emissionsintensiven Wirtschaft hin zu einer Netto-Null-Wirtschaft. Neubauer und Repenning verlangen Handeln JETZT. Damit die Dinge schneller vorankommen, wünschen sie sich von Menschen und Unternehmen mehr Mut, Dinge auszuprobieren. Gern würden sie von vielen „Geschichten des Gelingens“ berichten, die Beispiele „vom guten Umgang mit der Welt“ sichtbar machen. „Alternativen gibt es längst“, sagen sie. Und: „Die Liste der Game Changer ist lang“. 

Tut sich hier womöglich ein Vertrauensfenster auf? Prima! Warten wir also auf das beherzte Outing von Unternehmen, die verstanden haben, worauf es jetzt ankommt. Wo sind die Guten, die den Planeten aus der Krise führen? Liebe Unternehmer, wartet nicht darauf, entdeckt zu werden! Verbreitet eure kleinen und großen grünen Geschichten – und freut euch über aufgeschlossene Zuhörer.

„Warum nur ein Green New Deal unseren Planeten retten kann“

Naomi Klein wirbt für einen weltumfassenden Green New Deal. Das Konzept ist von Franklin D. Roosevelts New Deal inspiriert, jenem US-amerikanischen Präsidenten, der „mit einem bunten Strauß politischer Maßnahmen und öffentlicher Investitionen auf das Elend und den Zusammenbruch während der Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre reagierte“. Der Green New Deal wäre ein Maßnahmenpaket mit starker Unterstützung des Staates, das einen Rahmen für Unternehmen vorgibt, in dem sie selbst, etwa die Infrastruktur betreffend, aktiv die ökologische Wende der Industriegesellschaft umsetzen.

Längst wird das Thema Green New Deal rund um den Globus diskutiert. Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat am 11. Dezember 2019 den Grünen Deal der europäischen Union vorgestellt – mit dem Ziel, Europa als ersten Kontinent bis 2050 klimaneutral nennen zu dürfen. Nun muss Europa Ausschau nach Unternehmen halten, die diesen Kraftakt aktiv tragen und ausgestalten. 

Noch ist der Green New Deal Green eher ein Thema der Eliten. Es fehlt die praxisbezogene Konkretion. Damit sich aber jeder im Land auf diese politisch gewollte und notwendige Veränderungen einstimmen kann, wäre etwa eine nach Branchen sortierte Übersicht dienlich: „1.000 Unternehmen, die dem Klimawandel in Deutschland aktiv begegnen. Was sie planen. Was sie bereits unternommen haben.“ Ein solches Kompendium könnte die gemeinsame Entschlossenheit engagierter Unternehmen aufzeigen. Es würde erklären, wie die Dinge zusammenhängen und einiges an Inspiration für weitere Unterstützer bieten. Wer über den eigenen Tellerrand hinausblickend informiert, baut dadurch auch Vertrauen auf.

Mehr Aufklärung! Mehr Zusammenhalt! Mehr Mut!

Bislang werden Bürgerinnen und Bürger in Sachen Klimakrise ziemlich allein gelassen. Das gesamtunternehmerische Engagement ist fragmentiert und zuweilen recht widersprüchlich. Ein innerer Zusammenhang der heterogenen Handlungen  ist schwer zu erkennen. Ich denke zum Beispiel an die Vielzahl grüner Zertifikate als Beleg für große Nachhaltigkeit: kaum verständlich, eher als Etikettenzauber wahrnehmbar. Ich denke auch an tollkühne Versprechungen wie die, dass unsere Mobilität mit diesem Flugtaxi und jenem E-Roller bald entspannter und umweltfreundlicher sein wird. Beim Thema Klimawandel geht es vor allem darum, die Perspektive des Einzelunternehmens zu überwinden und Vertrauen gesellschaftsweit zu erarbeiten. 

Im kleinen Buchladen meines Vertrauens findet sich keine Literatur dazu, wie Menschen – gemeinsam mit stark engagierten Unternehmen – die große Klima-Herausforderung lösen könnten. Stattdessen dominiert die pessimistische Kategorie „Der Kapitalismus hat alles zerstört“. Natürlich: Unsere derzeitige Wirtschaftsform treibt uns dazu, immer neue Waren auf den Markt zu werfen, und seien dies zu guter Letzt sogar wir Menschen selbst. Und ja: Unser Ressourcenverbrauch ist verschwenderisch, und das dingliche Wachstum längst an seine Grenzen gestoßen. Aber erlaubt uns der bestehende Handlungsdruck, je nach Sichtweise bis 2030 oder 2050 klimaneutral sein zu müssen, wirklich, jetzt  Depression und Agonie zu pflegen? Wir müssen die Dinge angehen. Schnell. Innerhalb des kapitalistischen Systems. Gemeinsam.

Selbst in privaten Gesprächen sind Abschweifungen vom Thema sehr beliebt. Oft nehmen sogar gut gebildete Menschen eine sehr distanzierte Haltung zum Klimawandel ein, ganz so als wenn sie, ihre Kinder und Kindeskinder nicht von der immer schneller auf uns zurasenden Krise betroffen sein würden. Mit erschreckendem Abstand zum Kern des Problems reproduzieren sie platteste Schlagzeilen und geben diese ungeprüft als qualifizierte Meinung aus: Greta ist nicht mehr zu ertragen, E-Autos sind wegen der Batterien gar nicht umweltfreundlich, Deutschland ist zu klein, um etwas bewirken zu können. Das ganze Troll-Blabla, das täglich bei Facebook und Co. tausendfach gebetsmühlenartig verbreitet wird – und mindestens genauso häufig widerlegt worden ist. Unternehmen könnten auch Verantwortung dafür übernehmen, diesem Wahnsinn mit Projekten und Fakten entgegenzutreten – auch wenn das bisher nicht üblich war– und man seine Mitbewerber nicht mag.

Um die Erderwärmung auf 2 Grad zu begrenzen, müssen wir alle die Grenzen der Kommunikation überwinden und um jeden Menschen kämpfen auf einem Weg, den noch keiner kennt, der nicht immer komfortabel sein wird und dessen Ziel nicht einmal eine Verheißung ist. 

So viel Ernst muss sein.

Ökologischer dämmen!

Darauf muss man erst einmal kommen: Wellpappe dämmt. Und wie!

Vor ein paar Jahren sollte in unserem 10-Parteien-Wohnhaus der Keller gedämmt werden, nicht aus Energieaspekten heraus, sondern einfach, um ihn besser als Lager, zum Beispiel für Papier, benutzen zu können. Der Beschluss war schnell gefällt, und ehe wir uns versahen, wurde das Haus rundum mit einem Sockel aus Styropor (expandiertes Polystyrol) versehen. Als die Handwerker die Baustelle schlossen, war der umgebende Garten nicht nur plattgebaggert, sondern überall lagen die weißen Kügelchen herum, einfach notdürftig ins Erdreich eingegraben. Dumm nur, dass Polystyrol unter Lichtausschluss biologisch nicht abgebaut wird!

Für mich war diese Erfahrung ein Schock, hatte ich doch naiv angenommen, dass man in Sachen Wärmedämmung längst umweltfreundlich verfährt. Welch ein Irrtum! Ich goss die verunreinigte Erde tagelang, um immer wieder neue Kügelchen nach oben zu schwemmen, die schwimmenden Elemente abzuschöpfen und sie dann im Plastikmüll zu entsorgen.

Wie kann man sein Haus freiwillig mit einem Stoff einkleiden, der eigentlich Sondermüll und schwer zu entsorgen ist? Der im Brandfall katastrophal reagiert? Wikipedia erklärt: „Das Brandverhalten von expandiertem Polystyrol wird davon dominiert, dass es bei Temperaturen wenig über 100 °C erweicht und dann abtropft, wobei die Tropfen (auch aufgrund der geringen Masse und der damit zusammenhängenden schlechten Wärmeabfuhr) Feuer fangen können und dann brennend abtropfen.“ Zwar werden heute Flammenschutzmittel eingesetzt, aber fragen Sie mal jemanden von der Feuerwehr, ob er oder sie ein brennendes Styroporhaus löschen mag!

Ich zähle mich zu den Menschen, die einfach keine Lust mehr auf Gift und Plastik haben. Da wir im erwähnten Haus aktuell eine defekte Dachdämmung beobachten und ich zudem im Haus der Mutter über die Dämmung von Keller und Dach nachdenken muss, machte ich mich also auf die Suche nach ökologischen Alternativen und las mehr über Holzfasern, Kork, Hanf, Jute, Schilf, Gras, Flachs, Schafwolle, Kokos, Seegras, Schilfrohr und Stroh. Nicht alles überzeugt in jeder Hinsicht. Mal ist der Transportweg zu weit, mal ist die Dämmung zu schwach. Es lohnt sich also, genauer hinzuschauen.

Nicht gerechnet hatte ich damit, dass man auch mit einem Recyclingprodukt dämmen kann: Wellpappe. Das Produkt heißt Fairwell, es wird von dem hessischen Zimmermeister und Unternehmer Lothar Betz seit 2007 hergestellt und hat inzwischen schon zahlreiche Kunden überzeugt. Die vielen kleinen Luftpolster der mit Mais- und Kartoffelstärke klug verklebten Verbundbauteile sorgen nicht nur für die Trennung der Luftschichten, sondern bieten zusätzlich hohen Lärm- und Trittschutz. Das Produkt besteht vollständig aus recycelter Zellulose – und kann beim Entsorgen erneut recycelt werden. Die Zellulose stammt ursprünglich von Bruch- und Durchforstungsholz. Entsprechend kann sie sogar – wie zuvor als Baum – mit Luftfeuchtigkeit unkompliziert umgehen.

Foto: Betz Dämmelemente

Ich habe Lothar Betz gefragt, ob der Gedanke, Wellpappe als Dämmstoff einzusetzen, schon verbreitet ist. Er erzählte mir von einigen Bachelor- und Masterarbeiten zum Thema und auch von Gesprächen mit Wissenschaftlern, die diese besonders nachhaltige Idee voranbringen wollen. Er selbst stelle immer wieder neue Vorteile der Wellpappe fest, zum Beispiel die statische Tragfähigkeit, mit der sich Gebäude aussteifen lassen.

Baumfrei: Papier aus 100 Prozent Zuckerrohrfasern

Um den tropischen Regenwald zu retten, muss man sich einiges einfallen lassen. Zum Beispiel wirklich holzfreies Papier herzustellen. Aus einem natürlichen, schnell nachwachsenden Produkt – Zuckerrohr!

„Holzfreies Papier“: hat es das nicht immer schon gegeben? Diese Bezeichnung: ja. Den dabei anklingenden Verzicht auf den Rohstoff Baum: nein. Was wir traditionell „holzfreies Papier“ nennen, ist ein Papier, das aus gebleichtem Zellstoff von Bäumen hergestellt wurde. Durch Filterung wird der Holzstoffanteil allerdings auf unter 5 Prozent reduziert. Dieses mittlerweile überall übliche Papier vergilbt nicht, es eignet sich für langlebige Zwecke und ist besonders hochwertig.

90 Prozent des weltweit erzeugten Zellstoffs kommen vom: Holz. Wikipedia sagt: Allein für den deutschen Papierbedarf werden jedes Jahr rund vier Millionen Bäume gefällt. 

Das Papier der Marke CALIMA stammt aus schnell nachwachsendem Zuckerrohr. Diese Pflanze wird angebaut, um erstens Zucker daraus zu gewinnen und zweitens aus den eingekochten Säften die Panela zu gewinnen, ein reines, natürliches und handwerkliches süßes Naschwerk, das weder gebleicht, noch raffiniert worden ist. Eigentlich hat die Zuckerrohrpflanze damit schon sehr viel für uns Menschen geleistet. Aber sie kann noch mehr: Was nun noch übrig ist – die Bagasse – wird wieder eingekocht, sodass nur noch Fasern übrig bleiben. Aus diesem Nebenprodukt schließlich wird das CALIMA-Papier mit sehr guten Eigenschaften hergestellt.

Ich unterstütze die colonia2go GmbH in Coesfeld dabei, CALIMA-Papier in den deutschen Markt einzuführen. Derzeit laufen Verkaufsaktionen bei REWE und real. Eine gute Gelegenheit, das Papier zu testen.

Es tut sich also so einiges in der Papierszene. Selbst McDonald’s wirbt mit Nachhaltigkeit und alternativen Papieren beim Verpackungsprozess – dem Verbraucher sei Dank! Der Wettbewerb ist in Fahrt gekommen, das möge zum Erhalt und Ausbau des Baumbestands nützlich sein. Auch Produkte aus Bambus und Hanf sind für so manche Innovation interessant, denn diese Pflanzen wachsen schnell und unkompliziert nach. Immer häufiger wird auch Graspapier ins Spiel gebracht. Gras kann zwar nur 50 Prozent des Zellstoffs ersetzen, aber immerhin!

„Finde fünf RICHTIG nachhaltige Unternehmen“

Gestern erhielt ich einen Anruf von einer Freundin. Sie bat mich, ihr eine Handvoll Unternehmen zum Aspekt Bioökonomie zu nennen, weil einer ihrer Geschäftspartner im Rahmen eines Wettbewerbs des Umweltbundesamts sehr gute Vorschläge einreichen möchte. Ein prima Auftrag: „Nur echte Perlen bitte, nichts mit Greenwashing“.

Eine Anfrage wie diese kommt wenig überraschend nach den rekordheißen Tagen der vergangenen Woche und nach dem Erdüberlastungstag gestern, der uns daran erinnerte, dass die nachhaltig nutzbaren Ressourcen 2019 heute schon aufgebraucht sind. Der grüne Zeitgeist erfasst immer mehr Menschen, und Projekte häufen sich. Einerseits ist das erfreulich und gut. Andererseits wird die Lage immer unübersichtlicher. Who is who?

Wer in der zunehmenden Vielfalt als relevanter Unternehmer gesehen werden will, braucht mehr als reines Marketing: belastbare Konzepte, überzeugende Zahlen, eine glaubwürdige Motivation jenseits des Geldverdienens – und eine mitreißende, schlüssige Nachhaltigkeitsstory entlang der großen Fragen: WER, WARUM, WANN und WIE.

Grüne Perlen gefunden: darunter Papier aus Zuckerrohr und eine Hausdämmung aus Wellpappe … Demnächst mehr darüber in diesem Blog 🙂

Was bringt mir eine eigene Nachhaltigkeitsstory?

Sichtbarkeit – da und dort, wo potentielle Kunden und Geschäftspartner sich aufhalten!

Der Zimmermeister Lothar Betz beispielsweise hat seine Nachhaltigkeitstory – über das ökologische Dämmen mit Wellpappe – an die Fachpresse im Holzbau weitergeleitet und schnell sehr viel positive Rückmeldung erhalten. Die eine Redaktion hat die Geschichte in Ausschnitten veröffentlicht, die nächste in eine kurze Meldung verwandelt, und eine weitere mochte dem Thema gleich eine ganze Seite einräumen – so die Zeitschrift BAUEN + HOLZ gerade aktuell.

Der DRW-Verlag hatte die als Word-Dokument übermittelte Nachhaltigkeitsstory von der Redaktion Holz-Zentralblatt an die hauseigenen Standards anpassen lassen und Lothar Betz um anschauliches Bildmaterial gebeten.

„Ihre Nachhaltigkeitsstory“ ist ein neues Text-Format, das sich stilistisch zwischen der wirtschaftlich informierenden Presseinformation und der erlebnisorientierten Reportage bewegt.

Das Ziel einer solchen Geschichte ist es, Leser für komplexe Themen zu begeistern und ihnen das nachhaltig handelnde Unternehmen und – wie in diesem Fall: seine ökologische Innovation bei der Wärmedämmung – ans Herz zu legen.

Meinen Originaltext für Lothar Betz können Sie gerne als Beispiel für eine individuelle Nachhaltigkeitsstory anfordern. Auf Wunsch versende ich auch meine „16 Tipps, die Nachhaltigkeitsstory zu verbreiten“. Einfach eine E-Mail senden oder anrufen!

Future? Sah 1971 abenteuerlich aus!

Bei einer Speicherentrümpelung fielen mir vor wenigen Tagen einige alte, abgegriffene Schulhefte mit spektakulären Umschlägen in die Hand, die in den frühen Siebzigern als Dernier Cri gehandelt wurden und unsere Klassenzimmer eroberten. Die Welt der Zukunft“: Zwei Jahre nach der ersten Mondlandung standen die meisten Menschen jeglicher Technikentwicklung ausgesprochen erwartungsvoll und vor allem positiv gegenüber. Man blickte nicht zurück, dafür gern nach vorn. Umweltschutz oder Ökologie waren mehr oder weniger unbekannt. Der Mensch dachte sich die Erde untertan.

Hochhaushopping per Rohrpost – immer direkt zum Ziel! Anders als beim autonomen Fahren muss hier keine KI bemüht werden, um Kollisionen zu vermeiden. Dreidimensional gedacht, aber massentauglicher als ein Flugtaxi! Und noch flotter als unsere E-Scooter!

Schnelle Röhrenzüge im Jahr 2000. Wie abenteuerlich muss es sein, in dunklen Pipelines zu reisen! Man braucht kein Glyphosat, um Gräser zwischen den Schienen wegzubrennen! Auch Lärmschutzbarrieren zur Außenwelt sind überflüssig. Für Kurz- und Mittelstrecken über Land sind Flugzeuge dank dieser Technik obsolet.
Die Unterwasserstadt: Was für eine faszinierende Idee, schon ab 1980 in der ewigen Nacht leben – und im Wasser ausgehen zu können: „Mit einem Kunststoffgemisch in der Lunge begibt sich der Taucher in eine Schleusenkugel. Er muss dazu wie die Fische Flüssigkeiten atmen.“ Experimente an Tieren hatten zuvor gezeigt, wie das gelingt.

Über das Ergrünen großer Wirtschaftsunternehmen

Irland ist ganzjährig grün. „Grün“ im ökologischen Sinne ist die Insel noch lange nicht.

„Entdecken Sie die grüne Insel“: Mit dieser Einladung macht derzeit Kerrygold, eine genossenschaftlich organisierte und in Dublin ansässige Gesellschaft für Molkereiprodukte, auf sich aufmerksam. Grün sells – hier gleich im Doppelpack: erstens Natur, zweitens artgerechte Tierhaltung. Kerrygold wirbt mit Milch von Kühen auf saftigem Weideland. Das ist tatsächlich ein starkes Argument. In Deutschland sieht man kaum noch Kühe draußen, obwohl das der beste Lebensraum für Rinder ist, die gut und gerne mal 10 Kilometer am Tag laufen können und sich am liebsten von frischem Gras ernähren.

Als Kundin der Demeter- bzw. Bio-Milchmarken Schrozberger und Berchtesgadener Land habe ich nicht vor, an dieser Stelle für irische Produkte zu werben. Vielmehr möchte ich nur den Blick dafür schärfen, dass und wie sich große Unternehmen zusehends mit grünen Themen zu Wort melden. An nur einem Tag fielen mir vier einschlägige Ansätze auf. Kerrygold übrigens präsentierte sich unaufgefordert, als ich online nach dem Wetter schaute.

Im aktuellen Magazin der Süddeutschen Zeitung hatte ich zuvor eine Anzeige von REWE entdeckt, die durch ihre grüne Farbtönung gleich ins Auge fiel. Darin erklärt der forsch dreischauende Naturland-Fachberater Thomas Neumeier mit für Werbung doch recht vielen Worten, wie er als REWE-Partner REWE-Bio-Landwirte dabei unterstützt, strenge Naturland-Richtlinien umzusetzen. Mir erschließt sich zwar nicht, wie die an Bio interessierten, aber offenbar hilfsbedürftigen Landwirte von einem Mann profitieren können, der „mindestens einmal im Jahr“ auf den Höfen vorbeischaut, aber na ja, ist halt Werbung. Und so darf ich auch noch lesen, dass der Glaubwürdigkeitsbotschafter selbst auf dem Land groß geworden ist und den erdigen Geruch des Bioboden „karottig“ nennt. Herzallerliebst!

Man mag dieses Ergrünen für einen vergänglichen Ausdruck des Zeitgeistes halten oder für den Beginn eines echten Wandels. Die Grenzen dürften fließend sein. Auch wenn dem Thema Nachhaltigkeit in vielen Unternehmen tatsächlich eine größere Rolle als zuvor eingeräumt wird, so wirkt der aktuelle Hype doch auch hilflos und überzogen. Hoffentlich trägt er nicht dazu bei, dass wir des Greenings bald überdrüssig sind und von Nachhaltigkeit nichts mehr hören mögen!

Heute erreichte mich auch der FAZ-Artikel „So soll Nestlé grüner werden“. Demnach will das Unternehmen die Nettoemissionen von Treibhausgasen bis zum Jahr 2050 auf null senken. In 31 Jahren also. Zeit genug, um groß zu denken, sollte man meinen. Die FAZ kennt Details: „Nestlé sieht sich in seiner grünen Mission auch dazu veranlasst, den Konsumenten ,ein bisschen anzuleiten‘, wie Stefan Palzer in Lausanne sagte. Dazu gehört, die Kunden zum Recycling von Nespresso-Kapseln aufzufordern und sie für neue Angebote zu erwärmen wie die Getränkeautomaten, die Nestlé gerade in den eigenen Niederlassungen testet. An diesen können Durstige ihre mitgebrachten Flaschen füllen lassen.“ Klein. Und defintiv nicht oho.

Last but not least erhielt ich eine E-Mail von Miles & More, in der mir vorgeschlagen wurde, meinen Alltag und meine Reisen nachhaltiger zu gestalten: durch „mindfulmiles“. Wie das funktioniert? Umweltbewusst übernachten in Steigenberger Hotels. Emissionsfreie Mietwagen bei UFODRIVE buchen. Und in Investmentfonds von Amundi – mit Nachhaltigkeitsfaktor – investieren. Warum ich das alles tun sollte? Um mehr Meilen gutgeschrieben zu bekommen. Business as usual.

Ich empfehle kleinen und mittleren Unternehmen, dem offensiven und plakativen Werben der Großen mit viel konkreten, persönlichen und ehrlichen Positionierungen zu begegnen – zum Beispiel über eine individuelle Nachhaltigkeitsstory.

Wie Babyprodukte uns spiegeln

Jüngst hatte ich Zeit, die Welt mit staunenden Augen zu betrachten, ganz so, als wäre ich selbst noch ein entdeckendes, lernendes Kind. Ich bummelte, um eine Wartezeit zu überbrücken, durch einen Drogeriemarkt und blieb dann, genau passend, an einem von mehreren Regalen für Kleinkindprodukte hängen. Sogleich stellte ich mir vor, eine junge Mutter zu sein, die nichts anderes will, als das Beste fürs Kind (woraufhin meine inneren Alarmglocken diesbezüglich gleich lauter als üblich klingelten, was ich dann aber erfolgreich zu ignorieren schaffte).

Als erstes entdeckte ich „LILLIDOO – WHAT BABIES REALLY CRY FOR – FEUCHTTÜCHER MIT 99 % WASSER“. „Wie geil ist das denn“, dachte ich mir, „so rein wie ein Bergsee, und nur ein Prozent Substanz.“ Gleich daneben die „sensitiven“ Produkte „BABY SHAMPOO“ und „GUTE NACHT BAD“. In diesem Fall war es die Beschriftung, die auf besondere Sparsamkeit des Herstellers verwies, da man einfach auf Bindestriche verzichtet hatte. Ob 100 % Buchstabenfülle wohl die kognitiven Fähigkeiten eines Kleinkinds besser aktivieren würden?

Von sensitiv zu intensiv: „CREMEBAD MIT OLIVENBLATTEXTRAKT“ und gleich daneben „magischer Wirbel-Waschschaum – duftet nach Himbeeren“. Die „SOS Creme“, die „Bäuchlein-Salbe“, ein Gel als Zahnungshilfe und Tinti in den Varianten: „Blubber Rakete“, „Zauber Bad“, „Bade Spinner“. Besonders faszinierend fand ich die feuchten „WASCHLAPPEN“ ganz ohne Alkohol. Die meisten Exemplare dieser Kategorie, die ich bislang persönlich erlebt habe, waren eher mit Alkohol unterwegs. Aber das ist ein anderes und ziemlich weites Feld.

Dann eine zauberhafte Überraschung: „LITTLE green KIDS“ zum Haare waschen. Das muss für nachhaltig eingestellte Elternteile gedacht sein, die das Ego ihrer kleinen Töchter und Söhne gern frühzeitig pampern lassen und sich auch selbst mit einiger Wertschätzung gesegnet fühlen, weil für ihresgleichen eine eigene Produktwelt bereitgestellt wurde. 25 Prozent in den Wahlprognosen, das passt.

Ob eines Tages Frauke Petry LITTLE blue KIDS für ihr sechstes, vielleicht auch siebtes und achtes Kind wird kaufen können? Es bleibt interessant. Ich werde ab jetzt häufiger in modernen Konsumtempeln bummeln gehen und mir die Welt hinter dem Marketing genauer anschauen.

Wie ist diese Empfehlung von regenwald.org mit der großen Vielfalt an Baby-Pflegemitteln individuell in Einklang zu bringen? Indem wir vor dem Konsumieren nachdenken, was wichtig ist: Man nehme Wasser – und einen echten Waschlappen. Lässt sich beides meistens auch unterwegs ganz gut regeln.

Brauchen Unternehmer tatsächlich immer mehr und immer genauer für neue Zielgruppen maßgeschneiderte Produkte, um Erfolg im Wettbewerb sicherzustellen? Oder sind die Grenzen des Wachstums nicht schon längst überschritten?

Wie lässt sich Nachhaltigkeit visualisieren?

Ein Tukan. Das Foto stammt von Maria Isabel Eger Carvajal, die auch das Titelfoto mit der Feder im Morgentau aufgenommen – und mir zur Veröffentlichung überlassen hat. Danke, Bel!

Als ich darüber nachdachte, wie ich diese Website gestalten sollte, fiel mir schnell auf, dass Nachhaltigkeit als Bild im Kopf kaum existiert. Natürlich, es gibt beeindruckende Naturaufnahmen, aber für sich allein genommen stehen sie doch eher für Reisen und Abenteuer. Der Humboldt in uns freut sich, wirft den Backpack auf die Schulter und genießt. Jetzt den nächsten Flug buchen? Oder doch besser Flugscham-Alarm?

In den Fotodatenbanken wird Nachhaltigkeit als symbolisches Business-Thema gezeigt. Logisch, denn die Kunden sind oft Agenturen, die wiederum für Unternehmen arbeiten. Grün ist dann die Farbe der Wahl. Besonders beliebte Motive sind Fußabdrücke und zarte Jungpflänzchen in schützenden Händen. Ansonsten: Liebliches mit Bienen und Schreibschrift oder nüchterne Schriftzüge, die visuelle Ratlosigkeit signalisieren.

Mehr auf dem Punkt sind realistische Fotos von Photovoltaikanlagen und Windrädern, zunehmend auch von Ladestationen für Elektrofahrzeuge. Technik, die zweifellos zum Thema passt. Überzeugend und mitreißend sind diese Bilder leider nicht.

Man kann die Gründe, warum Nachhaltigkeit notwendig ist, veranschaulichen. Das wird auch gern getan. Plastikmüll im Schildkrötenmaul. Schmelzende Eisberge. Brennende Wälder. Für Soja-Plantagen gerodeten Regenwald. Will das noch jemand sehen? Oder treibt es uns nicht langsam in die kollektive Depression?

Das Gegenstück, aufgeräumte Heimatbilder à la „Mia san Mia, und bei uns ist einfach alles von Natur aus schön“ ist kaum besser. Heile-Welt-Fotos wecken nicht den Wunsch, sich zu engagieren. Stattdessen täuschen sie über strukturelle Probleme hinweg – wie den hohen Flächenverbrauch, den Vorrang fürs Auto und die hohe Akzeptanz der Agrarindustrie.

Aber es geht auch anders, sofern diese Bilder das Ergebnis nachhaltigen Engagements sind. Die Renaturierung der Isar ist dafür das beste Beispiel. Damit die Botschaft des Bilds nicht nur von Insidern verstanden wird, sind erklärende Hinweise auf den Umgestaltungsprozess sinnvoll.

Die Isar ist zum Paradies geworden. Leider gibt es Menschen, die das ohne Respekt genießen. Pflanzen und Tiere brauchen Schutz, um im urbanen Raum zu überleben.

Ein Klassiker der Bildkommunikation ist es, den angestrebten Nutzen zu visualisieren. Der liegt aber in der Zukunft und ist noch nicht einschätzbar. Ob glückliche Enkelkinder ihn zum Ausdruck bringen? Werbung schreckt vor nichts zurück.

Ich werde das Thema im Auge behalten. Wenn mehr Menschen nachhaltig leben und nachhaltig wirtschaften, wird es auch neue Bilder geben. Bis dahin sind Worte vielleicht die besseren Botschafter.

PS: Freue mich über Kommentare zu diesem Thema!

Hallo Welt!

„Hallo Welt“ schlägt WordPress mir als Anrede auf dieser ansonsten noch rein weißen Seite vor. Passt doch prima! Einen besseren Einstieg zum Thema Nachhaltigkeit hätte ich selbst nicht finden können.

Hallo Welt!
Hallo liebe Welt!
Hallo liebe EINE Welt!
Hallo liebe EINE, EINZIGE Welt!

Tja. „There is no planet B“. Unser Zuhause ist Planet A. Ein wunderschöner, vielfältiger Ort mit einer atemberaubenden Natur, die uns ernährt – und fast immer glücklich macht.

Hallo liebe EINE, EINZIGE, EINZIGARTIGE Welt!

Alles spricht dafür, dieses Zuhause auf lange Sicht für die kommenden Generationen zu erhalten. Was denn bitte sonst?

Noch aber werden Regenwälder abgeholzt und Böden vergiftet, als wenn es kein Morgen gäbe. Wir verbrauchen das Grundwasser und senken bedrohte Vorräte weiter ab. Wir schicken tonnenweise Plastikpakete nach Asien und glauben, nun wären sie weg. Wir füttern gesunde Tiere mit Antibiotika, und wundern uns später über die eigene Resistenz. Unsere Ozeane sind riesige Abfalleimer für gesunkene Schiffe, Mikroplastik, Medikamente und atomaren Müll. Im Orbit kreist der Raumfahrtschrott und raubt uns bereits die Sicht auf den Sternenhimmel.

Als Menschen haben wir doch Verstand! Und wir haben ein Herz! Lasst uns klug und verantwortungsbewusst handeln, liebe Mitmenschen auf dieser einen Welt, bevor es zu spät ist. Jede und jeder kann einiges tun. Unternehmen haben einen noch größeren Spielraum. Ausreden gelten nicht mehr.